Dass es da eben Gott gibt,
ich bin das Licht der Welt - diese ganzen Kurzbeschreibungen haben sich dadurch bestätigt
und diese Gewissheit,
es gibt wirklich jemanden, der aufpasst.
Egal
was passiert,
es gibt etwas, was einen hält.
Frau Möst,
Sie haben Medizin studiert, dann aber doch eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen als Flötistin,
als solche eine international gefragte Interpretin zeitgenössischer Musik.
Sie unterrichten, geben
Meisterkurse und sind so nebenbei auch Autorin von Kindergeschichten, Gedichten.
Im Jahr 2010 gab es in Ihrem Leben einen Moment,
der alles verändert hat:
Es kam zu einem Autounfall. Bitte erzählen Sie, was damals passiert ist und wie es dazu kam.
Ich hatte mehrere Termine in Detmold und bin von Göttingen los in der Frühe mit dem Auto.
Es war ein wunder
schöner Tag, ich habe mich super gefühlt, war gut drauf,
es war total trocken. Auf der A 44 in der Höhe von Warburg wurde es plötzlich eisig. Ich konnte das vorher nicht sehen oder erahnen.
Das Auto hat sich gedreht und
ich bin in die Planke hinein, direkter Aufprall.
Im Nachhinein ist mir erzählt worden,
zeichen.html>dass das</a>'>dass das Bundesland
Nordrhein-Westfalen zu wenig Streusalz hatte
und sie mit dem Streuen nicht nachkommen. Es war nach mir ein Stau von 50 Kilometer.
Vor mir war schon ein Lkw, der einen Unfall hatte. Den hat es sehr schwer erwischt.
Ich war da gerade mittendrin. Ich habe noch im Kopf,
Dass es mich total gedreht hat.
Dann war aber in meinem Kopf nichts mehr und ich habe
nur einen wunder
schönen, riesengroßen Lichtring gesehen.
Wirklich überdimensional.
Das war ein plötzlicher Impuls: Da passt jetzt wer auf mich auf.
Ich wusste nicht, was da eigentlich wirklich passiert.
Ich wusste, da passt wer auf mich auf. Und ich habe mich geborgen gefühlt.
Ich hatte gar nicht wirklich Angst.
Der Aufprall war schon heftig. Der vordere Teil vom Auto war weg.
Ich hätte nach vorne aussteigen können. Die Airbags waren Gott sei Dank prall voll. Ohne die Airbags wäre ich mausetot.
Ich habe noch in Erinnerung, dadurch,
dass die Schlage so lang war, 50 Kilometer,
dass die Rettung da war, und die haben nur laut geschrien: „Ist sonst noch irgendwer verletzt?“
ich bin noch selber aus dem Auto herausgestiegen und habe gesagt: „Ja, ich.“
Ich wusste aber nicht, was von Kopf bis Fuß lädiert ist. Ich hatte noch Verhandlungen mit dem Polizisten.
Der hat mich sogar noch geschimpft,
dass ich nicht gut aufgepasst hätte, und ich habe
noch eine Unterschrift gegeben.
Im Rettungswagen habe ich dann gemerkt: Hoppla, da ist wirklich etwas „Grandioses“ im negativen Sinne passiert.
Dann hat an
gefangen, sich der Schock zu entwickeln.
Ich habe gefroren und nur mehr gewartet,
dass ich im Krankenhaus aufgenommen werde.
Das war in Warburg, es war ein kleines Krankenhaus.
Das heißt, richtig bewusstlos waren Sie nie in dieser Zeit?
Nein, ich konnte mich noch unterhalten mit den Sanitätern.
Ich kann mich noch erinnern,
dass die Chirurgen mich beim Eingang erwartet haben und haben gesagt:
„Höha, die lebt ja! Wir haben Sie tot erwartet.“
Ich habe tatsächlich zwei Wochen gebraucht,
Ich habe nicht verstanden habe,
dass ich am Leben bin.
Man ist irgendwie in eine andere Sphäre verrückt vom
Bewusstsein.
Und habe wirklich 14 Tage gebraucht,
Ich habe nicht verstanden habe,
ich bin nicht tot.
Nochmals zurück zum Unfall:
Wie kann man sich das vorstellen?
Sie haben während des Unfalls die äußere Szenerie erlebt,
gleichzeitig aber hatten Sie dieses besondere Empfinden einer
Geborgenheit?
Ja, das ist eine Diskrepanz,
die ich mit Worten nicht wirklich erklären kann.
Da passiert so viel, was man als Otto Normalverbraucher gar nicht vorst
ellen kann.
Ich glaube, dass mehrere Ebenen zusammenpassten oder zusammenpassen müssen.
Das eine ist die körperliche Ebene. Da merkt man schon: Hoppla, da tut irgendetwas weh
oder man kann et
was nicht bewegen.
Und
die andere Ebene ist
die spirituelle.
Auf der spi
rituellen Ebene war es so eine Ruhe und ein – ich bezeichne es immer als ewiges Jetzt.
Als etwas, was einfach ist. Das ist und das kann man sich nicht wegdenken.
Man
kann es nur entweder annehmen oder nicht annehmen.
Das war schon ein Vorgefühl
für diese himmlische Herrlichkeit,
die uns immer wieder gepredigt wird
oder
die vorausgesagt wird. Diese absolute Harmonie, diese absolute Liebe, dieses Licht ohne Ecken und Kanten,
ohne
Konflikte, ohne Probleme.
Ich würde sagen,
Das war die spirituelle Ebene.
Haben Sie etwas Ähnliches schon einmal vorher erlebt?
In dieser Form nicht. Aber ich war von vornherein, also vorher schon, davon überzeugt,
Dass es ein Wesen gibt, eine höhere Macht. Die Christen nennen es Gott.
Es war dieses Erlebnis eine Bestätigung, ein Tiefergehen in etwas, was man schon geglaubt hat.
Sie haben im Schock mit
Polizisten und Sanitätern gesprochen, die Unterschrift geleistet, gleichzeitig aber innerlich dieses liebende Licht und
die absolute Geborgenheit erlebt?
Ja, kann man so sagen. Ich habe wahnsinnig ruhig reagiert.
Es ist ja nicht lustig, wenn man im Krankenwagen liegt und der Polizist fangt gleich einmal zu schimpfen an
und sagt: „Hätten Sie nicht besser aufgepasst?“
Und er hat auch gesagt, was ich bezahlen muss,
dass ich schuld bin an dem Ganzen.
Aber ich glaube, dieser Schutz, dieses Gefühl der
Geborgenheit hilft einem,
nicht aggressiv zu werden, das in Ruhe abzuwickeln.
Es ist von der Natur super. genial ein
gerichtet,
dass der körperliche Schock nicht sofort da ist, mit Schockblase und Frieren,
sondern dass es sich im Laufe von zwei Stunden entwickelt.
Dadurch kann man praktisch noch reagieren,
kann das selber noch verhandeln.
Ich war ja ganz alleine im Auto.
Von der Natur her ist es wunderbar ein
gerichtet.
Aber gleichzeitig war eben diese totale
Geborgenheit: Mir kann jetzt nichts passieren,
ich bin aufgehoben. Egal wie es nachher weitergeht,
ich bin geborgen.
Wie würden Sie Ihre Erlebnisse
rückblickend zeitlich einordnen? War das ein einziger Moment?
Oder ging es dabei um Sekunden,
Minuten, Tage?
Diese Ruhe ist geblieben,
Ich habe nicht nach Hause gekommen bin.
Das war noch so eine eigene Geschichte,
der Weg nach Hause.
Das ist ein Erlebnis, das man mit der Sprache schwer ausdrücken kann.
Die Sprache löst sich da irgend
wie auf,
es gibt keine Vokabel „So lange hat es gedauert,
das
war plötzlich,
Das war jetzt,
Das war vorher,
Das war nachher“,
sondern das ist immer so ein Jetzt, das ist einfach.
Ich habe das so in mir gespeichert,
dass ich das Gefühl hatte, das ist irgendwie noch immer.
Das Erlebnis allein, das Sehen von dem Lichtring war vielleicht ein paar
Minuten.
die Michs Gefühl dieser
Geborgenheit,
Dass es das gibt,
das hält eigentlich an.
Ich weiß, es ist sprachlich sehr schwierig, vielleicht sogar Unmöglich.
Aber können Sie versuchen, Ihre Sinneseindrücke, Ihre Erlebnisse während dieser Zeit noch et
was ausführlicher zu schildern?
Was haben Sie empfunden?
Ich habe schon das Gefühl gehabt, dass sämtliche Antennen, die man ausstrecken kann, geöffnet sind,
und dass man dieses Licht schon ganz speziell wahrnimmt,
also anders als ein elektrisches Licht oder wenn man
die Sonne oder den Mond genießt.
Es ist
wie aus.html>realmystery</a>'>unheimlich intensiv. Dann wird es sehr liebevoll, voller Güte, voller Harmonie.
Ich würde sagen, es passt irgendwie Geduld hinein.
Geduld mit demjenigen,
der das jetzt durchmachen muss.
Ins Leben zurückzukommen ist ja ein Prozess von vielen, vielen Monaten und länger als
ein Jahr,
dass man das Gefühl hat: Da gibt es etwas, was von einem nicht irgendwie verlangt wird
im Sinn von „Jetzt musst du dich aber beeilen, damit du wieder ins Leben zurückkommst“,
sondern ich habe alle
Zeit der Welt,
wenn ich – und das ist, glaube ich, der springende Punkt – Ja dazu sage.
Mir hat das ein absolutes Ja abverlangt auf allen Ebenen, auf der körperlichen, auf der psychischen, auf der spi
rituellen.
Sozusagen: Schaffst du das jetzt, willst du
noch einmal ins Leben zurückkommen?
Aber dieses Licht hat die Information gegeben: Da gibt es jetzt keine Aggression, keine aggressive Forderung, keine Strafe.
Es ist eine gewisse Barmherzigkeit, wie man of so über Gott sagt, also als barmherzig bezeichnet.
wie aus.html>realmystery</a>'>unheimlich liebevoll. Es passt auch
das Wort Glück.
Man hat ja Glück, wenn man so etwas überlebt.
Ich hätte ja mausetot sein können bei so einem Direktaufprall. Das haben auch die Chirurgen so erwähnt:
„
Sie haben aber schon enormes Glück gehabt.“
Ich finde, es ist auch Mut machend. Und eine irrsinnige Dankbarkeit.
Das war für mich
das Neueste,
Dass es eine Dankbarkeit gibt, die dermaßen tief sitzt,
Das war unbeschreiblich. So eine Glückseligkeit, eine Seligkeit, Dankbarkeit.
Aber, wie gesagt, auch Mut machend, also das Gefühl: Das schaffe ich jetzt.
Aber es besteht keine Eile im Sinne von Druck.
Es besteht kein Druck, ich mache das in meinem Tempo, so, wie es gut für mich ist.
Und da hatte ich so einen Sensor. Immer wenn ich gemerkt habe, es ist zu viel, zu viel von der Physiotherapeutin verlangt,
zu oft Physiotherapiestunde, vielleicht zu viel Auswirkungen von außen.
Das ist ein eigenes Thema gewesen in diesem Zeitraum, wo ich zurückgekommen bin.
Da hatte ich immer so ein kleines Stechen in der Magengrube.
Und da habe ich gewusst: Batch, aus, es ist zu viel.
Das wird verschoben auf den nächsten Tag. Anderes Tempo!
Das war wie ein Navigator für mich.
Ich habe immer gemerkt: Stechen im Magen – Schluss, das ist jetzt zu viel.
Sie haben vorhin erzählt,
dass die Ärzte glaubten, Sie hätten den Unfall nicht überlebt.
Was hatten Sie denn für Verletzungen?
Das Interessante ist,
Dass es keinen einzigen Knochenbruch gegeben hat.
Das war erstaunlich.
Meine Fantasie ist so, ich habe den Eindruck,
dass diese ganze Gewalt, die durch diesen Crash entsteht,
von diesem Lichtring abgepuffert worden ist.
Wenn es nicht gewesen wäre, hätte ich, glaube ich, wirklich Trümmerbrüche von Kopf bis Fuß gehabt.
Dieser Lichtring war schon auch ein Puffer. Sozusagen: Wir nehmen jetzt diese Gewalt, die durch diesen Aufprall entsteht, auf,
du kannst aus dem Auto heraussteigen. Wir brauchen von dir nur dieses endgültige, hundertprozentige Ja,
dass du wieder auf dieser Erde etwas erledigen möchtest, und den Rest machen sozusagen wir.
Aber dieses Ja, diese Entscheidung,
Das war meine Sache.
„Den Rest machen wir“ – wer ist dieses „wir“?
Sozusagen
Gott und Engel, aus christlicher
Religion heraus gesehen.
Man
kann es auch spi
rituelle Welt nennen.
Ob das jetzt hundert waren oder zehn oder tausend – ich weiß es nicht.
Könnte man das so sagen: Es ging für Sie um ein überwältigendes Erlebnis, aber von Gott oder Engeln wäre Interpretation?
Aus christlicher Sicht wäre das
Gott und Engel. Aber für Nichtchristen ist es – ich weiß es nicht,
die haben dann ja andere Bezeichnungen.
War das eine Entscheidung in der Art: Wenn Sie sich nicht zu dem Ja entschließen,
dann wäre es ganz anders weitergegangen?
Ja, eindeutig. Und wieder die drei Ebenen.
Die eine war die physische Ebene. Ich hatte keine Ahnung mehr,
wie das geht, geradeaus zu gehen.
Ich habe
die Leute bewundert. Da war ich schon zu Hause.
Wenn ich vom Fenster runtergeschaut habe und
die Leute sind geradeaus gegangen, dachte ich:
Wahnsinn, das funktioniert.
es gibt Menschen, die geradeaus gehen.
Das hat mich wahnsinnig fasziniert.
Und dann bin ich zurück ans Instrument gekommen, da musste alles neu programmiert werden.
Fingerbewegungen,
die ganzen Koordinationen, die wir als Musiker brauchen.
Schreiben, dann überhaupt wieder
die Kraft bekommen, dass man eine gute Atemtechnik bieten kann.
Dann die Koordination in den Augen, Busplan lesen, links und rechts sich drehen,
überhaupt wieder Kraft bekommen,
dann die Verbindung zwischen Fingerkoordination und Lesen, Unterschriften leisten,
Das war alles wahnsinnig mühsam.
Dann überhaupt wieder offen werden in den Ohren.
Als ich schon wieder gehen, stehen und laufen konnte, habe ich bei
Meisterkursen zugehört,
um wieder auf der musikalischen Ebene zurückzukommen.
Da war auffallend,
dass ich nur tiefe Töne vertragen konnte. Die hohen waren für mich furchtbar.
Und auch Partituren mit viel Kreuz, mit viel B, die schwierig zu lesen waren, da musste ich teilweise erbrechen.
Das war für meinen Kopf und für meine Augen zu viel.
Dann die psychische Ebene natürlich:
Lasse ich mich jetzt gehen? Ich
Könnte auch Frühpension ansuchen,
ich
Könnte sagen, okay, ich lebe halt mit dem,
was nicht in Ordnung ist, werde zum Raunzer und Jammerer,
und ach, ich Armer, und im Selbstmitleid ersticken.
Und das ist aber nicht mein Ding.
Ich habe dann auch so für mich –
Das war die erste Stunde mit der Physiotherapeutin –
einen Zettel mitgebracht und habe als Titel draufgeschrieben: Lebensmanifest.
Also
noch einmal ganz genau aufschreiben, was ich in meinem Leben machen möchte,
dass ich noch eine Aufgabe habe.
es gibt noch etwas, was ich hier auf dieser Welt bewirken kann, muss, soll, darf, je
nachdem, wie man es formulieren möchte.
Und
Das war eine wahnsinnig lange Liste. Das Interessante war,
dass die Physiotherapeutin auf das als Erstes eingestiegen ist.
Weil sie hat schon gemerkt: Das Becken war komplett durcheinander.
Ich habe X Craniosacral-Sitzungen gebraucht,
zeichen.html>dass das</a>'>dass das Becken überhaupt wieder in Ordnung ist.
Darf ich da kurz unterbrechen?
Sie haben vorhin gesagt, Sie hatten keine Trümmerbrüche,
aber durch den Unfall doch erhebliche Verletzungen erlitten?
Ja, die Neurologen würden sagen: Disconnected,
also wie schreibt man, wie geht man, wie bewegt man sich?
Das musste neu programmiert werden.
Die Physiotherapeuten sprechen auch immer von disconnected, neu programmieren.
Es ist, wie wenn ein Computerprogramm gelöscht ist und man muss das Programm neu in den Computer reingeben.
So kann man es sich ungefähr vorstellen.
Es war aber der ganze Körper total
erschüttert und durcheinander.
Es war zum Beispiel der Herzbeutel verschoben. Ich hatte deshalb immer Luftprobleme und wusste nie, woher.
Gott sei Dank ist die Therapeutin draufgekommen, was da los ist.
Das Becken war total verschoben. Die Bänder, alles, was das Becken zusammenhält, war total unkoordiniert.
Das habe ich sehr lange gemerkt. Ich habe sehr lange aufpassen müssen,
dass ich richtig sitze,
dass ich mit schlechtem Sitzen das nicht wieder durcheinanderbringe.
Das Interessante war wirklich, dass kein einziger Knochenbruch vorhanden war.
Aber ich würde sagen,
zeichen.html>dass das</a>'>dass das andere auch nicht einfacher war zu lösen.
Die Muskulatur war auch durch den Aufprall, durch dieses Schützen total bretterhart.
Und auf der anderen Seite war die Verbindung im Kopf – wie geht man, wie steht man? – unterbrochen.
Und dann ist die Diskrepanz: Wie lernt man mit einer bretterharten Muskulatur
die andere Ebene wie Gehen, Stehen, Schreiben, Lesen und so weiter?
Da
haben die Physiotherapeuten sauber geschwitzt. Wo fängt man an?
Fängt man beim Hals an? Der war auch total blockiert, total hart,
aber von Kopf bis Fuß, durch den Aufprall. Man möchte sich natürlich schützen, dann ist alles bretterhart.
Und diese Diskrepanz hat sehr, sehr lange gedauert. Eine Physiotherapeutin hat es gegeben, die hat extra eine Fortbildung für mich gemacht,
damit sie das besser in den Griff bekommt.
Der kritischste Teil war der Teil vom Hals/Kopf,
die ganze Region hier um den Mund.
Das war auch sehr schmerzhaft, das zu lösen.
Das Lösen dieser bretterharten Muskulatur war teilweise sehr, sehr schmerzhaft.
Aber als die Muskeln gelöst waren, ist
der nächste Schritt: Wie bekommen die Muskeln wieder Kraft?
Das ist dann der zweite Teil.
Hatten Sie während dieser ganzen Erholungszeit auch den Eindruck, von dieser Licht- und Liebeserfahrung getragen zu werden?
Ja. Ich habe so genau gewusst: Es ist nicht zu Ende.
Ich habe dieses Statement von den Chirurgen, die im Krankenhaus auf mich gewartet und laut gesagt haben
„Die lebt ja. Wir haben geglaubt, Sie wären tot“, mit Humor nehmen können.
Das habe ich überhaupt nicht als Beleidigung genommen.
Man hätte ja beleidigt sein können und sagen: „Was? Was habt ihr für komische In
formationen von den Sanitätern bekommen?“
Ich habe das sehr mit Humor genommen.
Ich habe innerlich so gewusst: Es ist richtig,
dass ich hier auf der Welt bin.
es gibt für mich noch etwas zu erledigen,
und es gibt nur Vorwärtsgang.
Vorwärtsgang – gab es auch einen Blick zurück? Viele Nahtoderfahrene berichten ja von einer Lebensrückschau,
die auch mit einer Bewertung des Lebens verbunden ist. Haben Sie so etwas auch erlebt?
Bewertet nicht. Das ist interessanterweise nicht vorgekommen, kein einziges Mal.
Aber ich habe im Zeitraffer die einzelnen Lebensjahre durchgelebt.
ich bin mir wirklich vorgekommen wie einer, der frisch zur Welt gekommen ist.
Ich habe dann gewusst: So, jetzt habe ich den zweiten Monat, den dritten Monat, jetzt bin ich
ein Jahr, zwei Jahre,
habe dann meine Mutter einmal angerufen und gesagt: Jetzt bin ich gerade zwölf Jahre alt geworden.
Jetzt bin ich gerade 18, 19.
Und dann habe ich mir gedacht: Den Rest schaffe ich jetzt auch noch.
Das war sehr spannend.
Weil Sie sich alle Fähigkeiten neu erarbeiten mussten?
Genau. Aber eine Bewertung hat nicht stattgefunden.
Ich glaube, es hat deshalb keine Bewertung stattgefunden,
weil ich in der ersten Physiotherapiestunde mit meiner Manifest dahergekommen bin.
Und
Das war total positiv aus
gerichtet.
Ich habe nicht gesagt: Meine Güte, nein, mit zwanzig habe ich diesen Blödsinn gemacht,
und hätte ich das nicht falsch gemacht, sondern
ich bin neu geboren sozusagen
und Vorwärtsgang und habe alles aufgeschrieben.
Das war eine wahnsinnig lange Liste,
was ich jetzt an mir schätze, ändere, neu an mir erlebe.
Ich habe dann das Gefühl gehabt, ich habe eine andere Identität, wobei der Begriff Identität für mich sehr schwer zu definieren ist.
Ich
kann das ehrlich gesagt nicht erklären, aber
Ich habe das Gefühl,
ich bin ein anderer.
Und ich habe dann meine Mutter angerufen und gesagt:
So geht es mir jetzt gerade, diese Stufe habe ich jetzt gerade, und
ich bin jetzt wer anderer.
Meine Mutter hat darauf gesagt: Ja, ich spüre es.
Meine Mutter war eine sehr sensible Frau, und da hat oft nur
ein Wort oder ein Satz genügt
und sie hat gewusst,
worum es geht.
Der Eindruck „Jetzt bin ich eine andere“ – wirklich eine andere?
Oder eher die, die Sie eigentlich waren und sind, die Sie vor Ihrer Erfahrung aber aus irgendwelchen Gründen nicht sein konnten?
Das ist eine sehr interessante Frage. Ich glaube, dass sowieso
jeder Mensch darum ringt oder kämpft oder versucht, der zu werden, der er sein soll.
Das ist eine Lebensaufgabe. Aber ich glaube,
dass durch diesen Schnitt das,
was nicht mehr sein sollte, einfach viel schneller und radikaler verabschiedet wurde oder vielleicht verabschiedet werden musste.
Das klingt zwar radikal, dieses Ereignis, aber im Nachhinein war das auch
ein großes Geschenk,
das etwas so schnell vorbei sein darf,
dass eine neue Ausrichtung so schnell passieren darf.
Wie ein Turbo.
Genau.
Sie haben vorhin von diversen Schwierigkeiten gesprochen, beispielsweise mit dem Busplan.
Würden Sie diese Schwierigkeiten einer Konzentrationsschwäche zuordnen,
weil sich Ihr
Inneres mit völlig an
deren existenziellen Themen beschäftigt hat, die wichtiger waren?
Oder hatte es allgemein mit Ihrem Neuwerdungsprozess zu tun?
Ja, das Zweite, also Neuwerdungsprozess auf alle Fälle,
weil dieses Zurückkommen zur Welt wesentlich länger dauert, als ich geglaubt habe.
Ich habe ja gesagt, ich habe zwei Wochen damit mich beschäftigt: Bin ich tot oder bin ich nicht tot?
Nach zwei Wochen habe ich gewusst,
dass ich nicht tot bin,
die Michs heißt noch lange nicht, dass man auf allen Ebenen zurück ist. Ein Beispiel:
Ich habe gedacht: Okay, vielleicht komme ich schneller zurück,
wenn ich die Orte,
die ich kenne, so wie Welsum, wo meine Eltern
das Haus hatten, besuche.
Da fühle ich mich vielleicht schneller wohler oder schneller zu Hause
und komme vielleicht schneller zu Recht. Das hat manchmal gestimmt, manchmal aber nicht.
Ich habe meine Eltern angerufen und gesagt:
Ich komme auf Besuch, ich probiere es.
Das war zu früh. Ich habe mir gedacht: Nein, ich kenne meine Eltern noch nicht. Also nicht „mehr“, sondern „noch nicht“.
Ich konnte
das noch nicht einordnen vom Verstand.
Ich wusste,
zeichen.html>dass das</a>'>dass das meine Eltern sind, ich wusste,
dass ich in Welsum bin.
Aber ich konnte mit den Personen noch nicht richtig etwas anfangen und musste sofort wieder fahren.
Ich habe das Glück, dass mein Vater Mediziner war und das natürlich verstanden hat. Er hat gesagt:
Okay, die ist noch nicht so weit.
Oder ich hatte dann einmal
ein Gespräch mit einem Neurochirurgen, der mit Musikern zusammenarbeiten wollte.
Ich habe mir gedacht: Ich probiere es, vielleicht schaffe ich es schon.
Und bin in den Zug eingestiegen.
Das war Richtung Wien.
In Sankt Pölten habe ich mir gedacht: Ui, ich weiß nicht so recht, ob ich Wien erkennen werde,
weil ich mit dem Zurückkommen vom Psychischen, Physischen noch so beschäftigt bin,
zeichen.html>dass das</a>'>dass das rein irdische, das Örtliche, das Geografische noch nicht erfasst werden kann,
dass dafür noch keine Energie da ist.
es gibt einen Brunnen um
die Michaelis-Kirche herum. Ich habe mir den Plan angeschaut, bevor ich weggefahren bin,
und habe mir gedacht: Komisch, Michaelis-Kirche … hatte keine Erinnerung mehr,
wusste auch nicht,
wie das optisch ausschaut, obwohl ich in Wien studiert habe.
Ich konnte noch keine Verbindung herstellen.
Als ich dann in Wien und dort war, war es für mich dann plötzlich normal,
dass ich in Wien bin
und dass dort links
die Michaelis-Kirche ist und da vorne dieser Brunnen.
Da habe ich mich wieder zurückgeholt gefühlt.
Aber die Verbindung von zwei Stunden Zufahrt entfernt, Stadtplan,
Das war nicht möglich, diese Verbindung konnte ich noch nicht herstellen.
Und so ähnlich war das mit dem Busplan. Ich habe mir gedacht: Wo habe ich mich denn immer wohlgefühlt?
Steiermark? Dann bin ich sehr oft wandern gegangen, schon
als Kind,
und habe mir gedacht: Da fahre ich hin.
Busplan: Keine Ahnung, was dort steht. Ich habe schon gewusst: Zahlen, Uhrzeit …
Aber die Verbindung, okay, da ist
der Einstiegsort, wo möchte ich denn hinfahren, das ging nicht.
Und ich habe mich dann irgend
wie ausgetrickst. Ich habe verstanden,
dass der erste Bus um acht Uhr in der Frühe wegfährt,
so um den Dreh, bin dorthin gegangen, habe mir gedacht: Acht Uhr, ja,
ich bin richtig, das habe ich geschafft.
Und dann habe ich den Busfahrer gefragt: „Wo fahren Sie denn heute hin?“
Und er hat gesagt: „Da und dort.“ Ich habe mir gedacht: Da steige ich ein, da fahre ich mit.
Dann habe ich ihn gefragt: „Sagen Sie mir bitte, wann die Endstation ist.“
Das hat er mir gesagt, dann bin ich ausgestiegen und habe gefragt: „
Wann ist der letzte Bus zurück?“
Das hat er mir gesagt, das konnte ich schon,
dass ich sage: „Okay.“ 15, 16 Uhr so um den Dreh war das.
Dann habe ich bis 15, 16 Uhr gewartet und bin eingestiegen
und habe das Busfahrplanlesen ein bisschen aufsparen können.
Das war schon ein richtiger Kampf …
Ja, und das Interessante ist, und was mich so fasziniert: Es fühlt sich so an wie ein zweites Hirn.
Man schafft es selber noch nicht, aber irgendwie gibt es etwas in einem, was kreativ ist und sagt: „Machen wir es so. Probieren wir es so.“
Ich habe eine Idee, ich finde eine Lösung.
Ich finde zwar nicht die Lösung, die Otto Normalverbraucher finden würde,
nämlich hinstellen, lesen, aha, genau, da möchte ich hin, da steige ich aus auf der dritten oder vierten Station.
Das ging noch nicht. Aber ich finde trotzdem eine Lösung,
dass ich mit dem Bus fahre und auch wieder zurückkomme,
auch wenn es nicht die Normale ist.
So ging es mir
in vielen
Situationen.
Hatten Sie auch das Gefühl,
dass sich Ihre Denkstrukturen neu aufbauen mussten?
Genau. Und das Interessante ist, dass man sogar stolz darauf.
Ich war zumindest stolz darauf,
dass ich mir etwas einfallen habe lassen.
Das ist wie zwei Personen. Die eine weiß, das geht alles noch nicht, die möchte es aber schon versuchen.
und es gibt aber etwas in einem drin, was sagt: Ich habe eine Lösung.
Fühlen Sie sich heute wieder ganz im Leben angekommen?
Ja, ja, mehr als vorher eigentlich. Insofern ist die Frage, die Sie gestellt haben, dass man jetzt endlich das ist, was man sein soll,
Ich habe fast mehr Freude am Leben und das Gefühl,
ich bin mehr
präsent im Leben und voller Kreativität und einfach schön.
Hat sich Ihr Flötenspiel
verändert?
Ja. Das Zurückkommen beim Flötenspielen war sehr deprimierend.
Erstens hatte ich überhaupt keine Lust mehr. Wir brauchen ja eine spezielle Atemtechnik.
Da ist mir schon manchmal ziemlich zu
Bewusstsein gekommen:
Hoppla, was muss ich da jetzt leisten?
Das war ein sehr trauriges Zurückkommen.
Die physische Arbeit war ja letzten Endes – bitte nicht falsch verstehen – fast lustig.
Man kann üben, ich habe so viele Übungen gelernt von den Physiotherapeuten.
Das war eine
wie aus.html>realmystery</a>'>unheimlich tolle Zusammenarbeit, und Übungen,
die ich heute noch mache, wenn ich merke: Hoppla,
ich bin verspannt.
die spirituelle Ebene war ja dann auch ein Erfolg, als ich das Manifest selber vorgelesen und gesagt habe:
Hundertprozentiges ja. Aber diese berufliche Rückkehr war schon sehr schmerzhaft. Da habe ich schon manchmal gedacht: Werde ich das schaffen?
Und als ich gemerkt habe, Partituren wie rings um Debussy, voller B, voller Vor
zeichen,
und ich muss erbrechen. Da habe ich mir gedacht: Oh la la,
Das war schwierig.
Ich konnte mich nicht an mein Lieblingskonzert – das ist Mozart, D-Dur – erinnern.
Da war ich sehr traurig, wenn man sich nicht einmal an das eigene Lieblingskonzert erinnern kann.
Und
Das war eine ganz tiefe, große Freude, als ich meine Eltern angerufen und gesagt habe:
„Ich kann mich wieder an das Mozart-Konzert D-Dur erinnern.“
Das habe ich noch so vor mir, da
Könnte ich am liebsten heulen.
Das war, wie wenn man eine Million geschenkt bekommen hätte.
Da habe ich dann auch gewusst: Jetzt bin ich beim Querflötenspiel zurück.
die Michs war mehr als
ein Jahr.
In idealistischen, also nicht materialistischen Weltbildern geht man davon aus, dass
der Mensch nicht nur der Körper ist, zu dem auch das Gehirn und damit
die Denkstrukturen gehören, sondern in seinem Wesenskern Seele o
der Geist ist.
Ihre Geschichte scheint aus dieser Sicht zu zeigen,
dass die Gehirnstrukturen
durch die Impulse aus dem Inneren, aus dem Geistigen sozusagen neu aufgebaut wurden.
Kann man das
so sehen?
Ja, das kann man so sagen. Ich finde das sehr gut formuliert.
Manche Nahtoderfahrenen kommen im
rückblick in der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse zum Schluss,
dass sich dieses besondere Ereignis, der Turbo, in irgendeiner Form vorher angekündigt hat, zum Beispiel durch einen Traum.
War das bei Ihnen auch so?
Ja. Es ist meine Erinnerung, ich habe neun Monate vorher schon gespürt,
dass eine Änderung kommt und kommen darf, kommen soll, kommen muss.
Es ist immer so alles in einem. Ich war immer sehr nervös, nicht in dem Sinne, ich müsse jetzt irgendetwas erledigen,
sondern da passiert jetzt etwas. Es wird et
was passieren.
Dass ein Autounfall kommt, konnte ich natürlich nicht wissen.
Aber ich habe gewusst, es kommt eine Änderung in meinem Leben.
Es hat sich schon angezeigt. Ich war
immer wieder aufgeregt, teilweise habe ich nicht gewusst, warum.
Woher soll man es auch wissen? Aber
Ich habe das schon irgendwie geahnt.
Die Zeitspanne von neun Monaten wurde für Sie ja auch interessant in der Gesamtbewertung Ihres Lebens.
Ja, weil die neun Monate interessieren mich irgendwie, die beschäftigen mich.
Ich denke mir, neun Monate hat man Zeit von der Zeugung bis zur Geburt.
Mein Autounfall war so etwas wie eine Geburt in ein anders gestaltetes Leben.
Dann denke ich mir: Wieder neun Monate.
Als meine Mutter gestorben ist, habe ich neun Monate vor ihrem Tod in den Kalender geschrieben:
weil ich.html>„ich habe</a><br><a href=
dass ich.html>„ich habe</a><br><a href=f9db9d603a2b214ee4a6bcf90e6a50db.html>„ich habe</a><br><a href=93d525aded5b76a7ef8c26ce4621d490.html>„ich habe</a><br><a href=c900c2ce9a758fa6ce095599320977ad.html>„ich habe</a><br><a href=d6053ba9364a57ea45def8c2dd7843b2.html>„ich habe</a><br><a href=
Dass es.html>„ich habe</a><br><a href=66da6ec5c2d7237197e93944e4e24809.html>„ich habe</a><br><a href=590bc6735fae910862d6d54006a40456.html>„ich habe</a><br><a href=61621d32a0c4b27026187793033a288c.html>„ich habe</a>'>„Ich habe meine Mutter im Krankenhaus besucht.“ Da waren es wieder neun Monate.
Dann denke ich mir: Vielleicht hat man neun Monate Zeit, um sich für den Übergang vom Leben in das andere Leben
durch den Tod hindurch vorzubereiten, also seelisch.
Ich weiß nicht, ob das wirklich eine Regel ist. Aber ich habe mehrere Erlebnisse gehabt, wo immer neun Monate im Spiel waren.
Wie hat sich durch Ihr Erlebnis Ihre Religiosität
verändert? Sie waren ja, wie Sie gesagt haben, schon vorher religiös.
Ich würde sagen,
Dass es einfach
noch einmal wie eine Bestätigung ist von dem, was man immer gehört hat,
Dass es Gott gibt,
„Ich bin das Licht der Welt“,
diese ganzen Kurzbeschreibungen haben sich dadurch bestätigt, und diese Gewissheit,
es gibt wirklich jemanden, der aufpasst, egal
was passiert,
es gibt etwas, was einen hält.
Ich will gar nicht sagen rettet – man muss ja selber etwas dazutun, dass man ins Leben wieder zurückkommt,
aber jemand, der einen hält.
es gibt etwas, jemand, der einen einfach nicht fallen lässt.
Diese Gewissheit hat sich schon enorm verstärkt.
Sie haben keine Angst vor
dem Tod?
Heute sage ich: Nein. Ich finde, dieser Lichtkreis ist ein Begleiter.
Ich kann dieses Gefühl, da passt jemand auf mich auf,
immer wieder zurückrufen, herbeirufen:
Das
hast du damals erlebt, es war wunderschön. Und das ist immer so.
Das war nicht nur einmal. Ich bezeichne es gern als ewiges Jetzt, und das kann ich
immer wieder herbeirufen.
Wenn Angst kommen sollte, Angst vor was auch immer, kann ich das herbeirufen und sagen:
Schau,
Das war damals so, und es ist immer so.
Es ist jemand, der dich hält. Es ist jemand, der auf dich aufpasst.
Haben Sie das Gefühl,
dass Sie durch Ihre Erlebnisse anderen
Menschen helfen können,
ihnen vielleicht eine besondere Botschaft vermitteln können?
Ich finde schon,
dass diese Geschichte dazu beitragen kann, dass
die Leute,
die noch vor Schicksalsschlägen stehen oder vielleicht das nicht so annehmen können, wenn ein Schicksalsschlag war,
dass man damit Mut machen kann und Hoffnung geben: Man
kann das schaffen.
Das ist schon
eine Botschaft.
Ich habe das einer älteren Damen erzählt,
und sie hat das richtig genossen zu erfahren, wie man es wieder zurückholen kann,
Dass es eine tiefe Dankbarkeit gibt, dass man es
noch einmal anpacken kann.
Diese Frage „Gibt es für mich noch etwas, was ich auf der Welt erledigen darf?“,
das sind schon existenzielle Themen,
die man den anderen
immer wieder in Erinnerung bringen kann.
Oder wie wertvoll jeder einzelne Tag ist, das ist mir auch sehr wichtig.
Ich habe schon manchen
Menschen gesagt: „Bitte nutze den Tag. Du weißt nicht, ob es in
der nächsten Minute vorbei ist. “
Das hat sich noch verstärkt,
dass ich die Zeit wirklich nutze, so, wie es in meiner Macht steht.
Das heißt nicht, dass man sich abrackert, das ist kein günstiges Zeitnutzen
bis zum Zusammenbruch und zum Burn-out.
Also man geht schon sehr kostbar mit der Zeit um und sehr sensibel.
Haben Sie das Gefühl,
dass Sie heute, insgesamt betrachtet, intensiver leben, mehr Lebensqualität genießen?
Ja. Es ist schon so,
dass ich die Zeit mehr wertschätze und die Zeit versuche, gut zu nutzen, nicht zu viel nicht zu wenig,
nicht überstrapazieren, auch nicht totschlagen. Das ist ja auch ein Statement in unserer Zeit.
Die Definition von Lebensqualität sehe ich jetzt anders.
Sehr viele sehen
die Lebensqualität so: Ich muss ein Auto haben, ich muss am Strand liegen und mich bräunen,
und ich brauche mein Wiener Schnitzel und meine Malakofftorte und solche Dinge.
Das will ich gar nicht absprechen – das ist auch schön, kann man ja genießen.
Aber durch dieses Erlebnis waren so viele Kanäle offen,
dass ich gelernt habe,
ganz einfache Dinge so wunderbar zu genießen.
Ich habe einer Schnecke zugeschaut, wie schnell
die eigentlich unterwegs ist.
Ich habe mich wahnsinnig gefreut, einen Maikäfer fliegen zu sehen, Blumen wieder zu sehen,
Schmetterlingen zuzuschauen,
gewisse Geräusche zu hören, wieder die Libellen wahrzunehmen.
Also diese Dinge, die so verloren gegangen sind.
zeichen.html>dass das</a>'>dass das so beglückend sein kann, das möchte ich ehrlich gesagt nicht missen.
Und das ist für mich Lebensqualität: Dieses Wahrnehmen von Dingen, die heutzutage schon ziemlich untergegangen sind.
Hat mir auch jetzt während Corona sehr geholfen, einfach zu schauen: Hoppla,
es gibt so vieles, was man wieder wahrnehmen kann,
was schön ist, an dem man sich aufbauen kann.
Gab es immer
Menschen,
mit denen Sie über Ihre besonderen spi
rituellen Erlebnisse offen sprechen konnten?
Allgemein tun sich
die Menschen sehr schwer, das muss ich schon so sagen.
Die Ärzte waren sehr darauf konzentriert,
dass ich physisch in Ordnung bin.
Man hört dann
immer wieder den Satz: „Wenn es nichts wird, damit müssen Sie halt leben.“
Damit habe ich mich aber nicht zufrieden gegeben, da habe ich gekämpft,
oft gegen den Willen der Ärzte oder gegen
die voraussagen von Ärzten.
Und das Psychische, Spi
rituelle ist auf der einen Seite schwer zu formulieren.
Man braucht selber Abstand. Wenn Sie mich vor acht oder sieben Jahren
interviewt hätten, hätte ich gesagt:
Nein, ich kann noch nicht. Ich hatte das Gefühl, man springt in zwei Positionen:
in die eine, die das erlebt hat, und
die andere Position des Journalisten.
Und das verträgt sich nicht. Jetzt habe ich genug Abstand, jetzt kann ich darüber sprechen.
Und mir kommt dieser Zeitabschnitt von elf Jahren gar nicht vor wie elf Jahre. Es fühlt sich nicht so an.
Gab es
Situationen, in denen Sie sich gewünscht hätten, dass man in unserer
Gesellschaft überhaupt offener über solche Themen sprechen kann?
Ja. Diese Thematik,
dass der Tod zum Leben dazugehört, gehört intensiviert.
Abschließend gefragt:
Gibt es einen Begriff,
der das, was Sie erlebt haben, auf den Punkt bringt, am besten beschreibt?
Ja. Das ist diese tief empfundene Dankbarkeit,
die wirklich ganz, ganz tief geht und verbunden ist
mit dem
Bewusstsein, dass man geborgen ist, und auch eine gewisse Glückseligkeit.
Die große Wertschätzung, die Sie dem Leben gegenüber haben, ist wirklich spürbar, Frau Möst.
Vielen herzlichen Dank
für dieses Gespräch und alles Gute für Sie weiterhin.